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Dem Menschen dienen

Behinderte Nasenatmung

Aufbau und Funktion der Nase

Die Hauptfunktion der Nase ist die Atmung. Die „normale“ physiologische Atmung erfolgt ausschließlich durch die Nase. Die Nase ist damit der erste Abschnitt des menschlichen Atmungstraktes, auch Respirationstrakt genannt. Zu diesem werden noch zudem der Kehlkopf, die Luftröhre, die Bronchien und deren Aufzweigungen gezählt, die in die einzelnen Segmente der Lunge münden.

In Ruhe atmet ein Erwachsener pro Minute etwa 16-mal durch die Nase ein und aus. Entsprechend dem Atembedürfnis steigert sich die Atmung in Frequenz und Tiefe bei Anstrengung und vermindert sich während des Schlafes. Während eines einzelnen Atemzuges werden durchschnittlich 500 ml Luft eingeatmet, das sind 12.000 l/Tag. Diese Luft muss gereinigt, angewärmt und angefeuchtet werden.

Die Nase als Organ hat sich bei den Lebewesen beim Übergang vom Leben im Wasser zum Leben an der Luft (Lungenatmung) herausgebildet. Mit der phylogenetischen Entwicklung sind auch verschiedene Funktionen der Nase entstanden, zunächst bildete sich die Riechfunktion – die Olfaktion – als ältester Sinn heraus. Mit dem schrittweisen Übergang zum Landleben folgten die Funktionen Atmung, Temperaturregulation und Anfeuchtung. Mit zunehmender Konfrontation mit der Umwelt entwickelte sich ein hoch spezialisiertes Schleimhautabwehrsystem, der sogenannte Mukoziliarapparat.

HNODie Abbildung zeigt den Mukoziliarapparat der Nasenschleimhaut. Becherzellen und Drüsen bilden ein Sekret, welches auf der Schleimhaut einen zweischichtigen Film bildet. In einer dünnflüssigen Solschicht schlagen die Zilien und bewegen durch ihren aktiven Wirkschlag den viskösen Gelteppich vorwärts.

Mit der Entwicklung von Stimme und Sprache gewann die Nase eine weitere Funktion – als Resonator für die Formung eines individuellen Klangbildes, z.B. bei Konsonanten.

Zudem hat die Nase eine ganz besondere ästhetische Bedeutung in der Mitte des menschlichen Gesichtes. Sie prägt praktisch wie keine andere Struktur den Charakter des Gesichtes und „vermittelt“ zwischen den anderen ästhetischen Gesichtseinheiten, wie z.B. Augenbrauen, Augen, Stirn, Wangen, Lippen u.a.

Die innere Nase, ausgekleidet mit einer speziellen Schleimhaut, ist das eigentliche nasale Organ, was die Sinnes- und Abwehrfunktion, sowie die Klimafunktion ermöglicht. Die äußere Nase mit ihrer Pyramidenform ist teilweise an der Regulation der Atmung, im Besonderen des Atemwiderstandes beteiligt. Das knöcherne Nasengerüst dient als Schutz für die sensiblen Areale der inneren Nase. Warum es im Laufe der Evolution zur Entwicklung der Nasenform mit den verschiedenen Varianten kam, ist nicht genau geklärt. Wahrscheinlich spielen Anpassungen an wechselnde Lebensbedingungen eine Rolle. Die Unterschiede der Nasenformen verschiedener menschlicher Rassen lassen vermuten, dass klimatische Anpassungen eine wichtige Rolle gespielt haben.

HNOObwohl die äußere Nase unendlich vielfältig geformt sein kann – so besteht sie nur aus einigen Bausteinen. Die Bausteile prägen einerseits die äußere Form und besitzen andererseits eine funktionelle Bedeutung.

Während der knöcherne Anteil völlig rigide ist, so ist der knorpelige Anteil in unterschiedlicher Weise flexibel. Da wo der untere Anteil der Dreiecksknorpel (Schmetterling) an die Flügelknorpel (Vogel) grenzt, erreicht die Nase ihre größte Elastizität – die Nasenklappe. Das tragende Brückenglied dieser Konstruktion ist das Nasenseptum – die Nasenscheidewand.

Atmung

Die Nasenatmung ist an den Strömungskörper Nase gebunden, der drei funktionell wichtige Querschnittsflächen besitzt, den Eingang mit der Nasenklappe, die Nasenhöhle mit den Nasenmuscheln und die Abstromregion, der hintere Ausgang der Nase mit den Choanen. Hier befindet sich der Eingang zur Ohrtrompete, die die wichtige Belüftung des Mittelohres ermöglicht. Die Einatmungsluft strömt überwiegend durch den mittleren Nasengang und passiert dabei die vorderen Ansätze der mittleren und unteren Nasenmuscheln. Die Ausatmungsluft nimmt dagegen den Weg über den unteren Nasengang, entlang des Nasenbodens. Mehrere Faktoren beeinflussen den Atemstrom. Die Intensität des Atemstroms führt zur Veränderung des Strömungscharakters. Es entstehen Turbulenzen bei forcierter Atmung, die sich an anatomischen Strukturen des Strömungskörpers bilden. Hinzu kommen wechselseitig auftretende spontane Schwankungen der Schwellungszustände der Nasenschleimhaut, die als physiologischer Nasenzyklus bezeichnet werden. Auch bestimmte Muskelgruppen am Naseneingang sind aktiv an der Regulation der Weitstellung des Naseneinganges beteiligt.

Klimatisierung

Eine der Hauptfunktionen der Nase, oder besser der Schleimhaut der Nase, ist die Anwärmung und Befeuchtung der Einatmungsluft, damit diese auf Körpertemperatur erwärmt und wassergesättigt den tiefen Atemtrakt erreicht. Für diese Aufgabe hat die Nasenschleimhaut eine große Oberfläche und ist mit einer ausgedehnten Gefäßversorgung und einer großen Zahl Schleim bildender Drüsen ausgestattet.

Man möge sich die enorme Leistungsfähigkeit der Nase verdeutlichen: Unabhängig von der Außentemperatur, d.h. gleichermaßen am Äquator und am Südpol erwärmt die Nase die eingeatmete Luft auf konstant 36° C im Nasenrachen mit einer Wasserdampfsättigung von über 80 %. Das alles geschieht auf einer Strecke von wenig mehr als 8 cm während einer Passagezeit von kaum einer Sekunde – das kann keine Maschine leisten.

Schutzfunktion

Die Nase ist mit verschiedenen Mechanismen zum Schutz der Atemwege ausgestattet. Der auf der Oberfläche der Schleimhaut befindliche Schleimfilm kann kleinere Verunreinigungen und Partikel aufnehmen und gerichtet, entlang definierter Sekretstraßen in den Nasenrachen transportieren. Dieser als mukoziliärer Transport bezeichnete Vorgang existiert auch für die Nasennebenhöhlen und ist auch hier Grundlage für deren Normal- und Abwehrfunktion. Zusätzlich werden besondere Eiweiße und verschiedene Enzyme in der Schleimhaut produziert, die die Schutzfunktion unterstützen und als „humorale Abwehr“ bezeichnet werden. Daneben existiert in der Schleimhaut auch eine Vielzahl besonderer Zellformationen, die bei der Abwehr von Allergenen, Viren, Bakterien und Pilzen aktiviert werden, sie verkörpern die „zelluläre Abwehr“.

Riechen

Diese wichtige Sinnesfunktion wird in ihrer Bedeutung oft verkannt. Dabei ist sie für Ernährung, für unseren Schutz und für unsere zwischenmenschlichen Beziehungen besonders wichtig. Die erste enge Mutter-Kind-Beziehung wird über die den Geruch hergestellt. Auch unsere Emotionen, positive wie negative, werden nicht unerheblich von Riecheindrücken beeinflusst.

HNODie nebenstehende Darstellung zeigt die strömungsphysikalische Voraussetzung des Riechens: Die Luft wird erwärmt (untere Nasenmuschel) und steigt auf. Hier trifft sie auf die mittlere Nasenmuschel und wird in zwei Strömungen geteilt. Ein Teil dient der Belüftung der Nasenneben-höhlen, ein weiterer steigt zur Riechspalte auf und bringt Riechstoffe an die Riechzellen.

Das Riechorgan ist im oberen Abschnitt der Nasenhöhle lokalisiert. Es hat eine Ausdehnung von etwa 400 mm und enthält etwa 20 Millionen Sinneszellen. Diese Sinneszellen haben gebündelte dünne Nervenfortsätze, die durch kleine Öffnungen des knöchernen Nasendaches zum eigentlichen Riechnerven im Schädelinneren ziehen. Die Einmündungsstelle wird Riechkolben genannt. Von dort wird der Riechreiz als bioelektrischer Impuls weiter zu speziellen Hirnzentren geleitet.

Der Mensch kann etwa 10.000 verschiedene Gerüche unterscheiden, dennoch gibt es individuell sehr große Unterschiede. Der Verlust des Riechvermögens kann Ursache einer direkten Nervschädigung sein, wie sie nach Virusentzündungen oder nach Schädelverletzungen vorkommen. Häufiger sind mechanische Verlegungen des Riechfeldes durch anatomische Variationen in der Nase oder besondere Formen der Entzündung. So kann der banale Schnupfen mit der entzündlichen Schleimhautschwellung einen vorübergehenden Riechverlust erzeugen. Nasenpolypen als Ausdruck einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung verlegen oft das Riechfeld oder blockieren den Duftstoff beladenen Atemstrom durch die Nase.

Klinisches Symptom – Nasale Obstruktion – Behinderung der Nasenatmung

Die subjektiv als störend empfundene behinderte Nasenatmung bedeutet eine Erhöhung des Widerstandes der Luftströmung durch die Nase. Aus physiologischer Sicht bildet die Nase eine Engstelle im Atemtrakt. Die anatomischen Form- und Strukturvarianten des Naseneinganges, der Nasenscheidewand (Nasenseptum) und der Nasenschwellkörper, auch Nasenmuscheln genannt, sind für Veränderungen der als normal empfundenen Nasenatmung häufig verantwortlich. Aber auch die entzündlichen Schwellungen der Nasenschleimhaut können unterschiedlich stark sein und verschiedene Ursachen haben und dabei erheblich die Durchströmung der Nase behindern.

HNODie häufigsten Formen der Septumdeviation sind Verkrümmungen (li.) und Sporn- oder Leistenbildungen (re.).

 

HNOEine gestörte Nasenatmung führt regelmäßig zu Veränderungen der Feinstruktur der Nasenschleimhaut. Nach einer Phase der verstärkten Schleimbildung und -absonderung in der Nase – Hypersekretion oder auch „Fließschnupfen“ - münden die chronisch-entzündlichen Schleimhautveränderungen in trockene Schleimhautformen – Sicca-Syndrom oder auch „Stockschnupfen“ („Ebbe auf der Schleimhaut“). Die entzündlichen Veränderungen breiten sich später in den dahinter gelegenen Abschnitten des Atemtraktes aus. Der Kliniker spricht dann vom „Etagenwechsel“ der Erkrankung. Die Schleimhaut der Nase gilt deshalb als „Frontlinie der Luftwege“. Heute gilt als bewiesen, dass die Entstehung von chronischer Bronchitis und Asthma bronchiale auf entzündlich bedingte Störungen der Nasenatmung teilweise zurückgeführt werden kann. „One airway –one disease“ heißt somit, dass eine konsequente konservative und operative Therapie von Funktionsstörungen der Nase und der Nasennebenhöhlen erforderlich ist, um erste und z.T. lebensbedrohliche Erkrankungen der tiefen Atemwege zu vermeiden.

Eine Behinderung der Nasenatmung hat neben den entzündlichen Spätfolgen direkt auch Auswirkungen auf die Lungenatmung, die durch eine Weitstellung der Bronchien verändert wird. Die hat wiederum Auswirkungen auf die Herzaktion. Weitere Erkrankungen und Symptome die mit einer nasalen Obstruktion im Zusammenhang stehen sind Mittelohrerkrankungen. Schwerhörigkeiten bedingt durch Schleimansammlungen im Mittelohr oder ausgeprägte Mittelohrentzündungen haben überwiegend ihre Ursache in Belüftungsstörungen der Nase. Auch atembedingte Schlafstörungen, wie das Schnarchen oder das Schlaf-Apnoe-Syndrom, entstehen oft auf dieser Grundlage.

Diagnostik

Eine genaue Analyse der Krankengeschichte (Anamnese) steht bei Patienten mit behinderter Naseatmung an erster Stelle. Wie ein Detektiv fahndet der Arzt nach Hinweisen für die Entstehung (Genese) einer Erkrankung. Meist beklagen die Betroffenen auch vermehrte Schleimabsonderung oder eine Trockenheit in der Nase. Riechstörungen und nicht selten Gesichtsschmerz ist ebenfalls häufig beklagte Begleitzeichen. Wichtige Fragen in einer speziellen Anamnese sollten sein:

  • Ist die Behinderung der Nasenatmung ständig oder wechselnd vorhanden?
  • Bestehen Seitenunterschiede?
  • Kommt es nach abschwellenden Nasentropfen zu einer Verbesserung?
  • Bestehen morgendliche Niesattacken?
  • Tritt die behinderte Nasenatmung nur in bestimmten Jahreszeiten oder ganzjährig auf?
  • Sind Anzeichen allergischer Reaktionen aufgetreten (Niesen, Fließschnupfen, Augenjucken, Bindehautreizungen)?
  • Sind Kopfschmerzen aufgetreten: Wo, wann, wie ist der Charakter (stechend, drückend, Verstärkung beim Bücken)?


Mit der Nasenendoskopie kann die genaue Engstelle erkannt werden, die die Strömungsbehinderung in der Nase verursacht. Gelingt es eine Engstelle als Ursache ausfindig zu machen, kann auch die Indikation zu einer funktionsverbessernden Chirurgie gezielt gestellt werden. Gleichzeitig kann nach Zeichen von Erkrankungen der Nasennebenhöhlen, die sich möglicherweise nur als Minimalbefunde im Bereich der seitlichen Nasenwand zeigen, gefahndet werden. Sie können auch Ursache einer behinderten Nasenatmung sein.

HNOVorgehen bei der Nasenendoskopie

Die computergestützte Rhinomanometrie ist eine synchrone Registrierung von Druckunterschieden in der Nase und des Volumenstromes durch die Nase. Damit ist eine objektive Bestimmung der subjektiven Nasenatmungsbehinderung möglich. Außerdem kann zwischen manifesten Engstellen und variablen Schwellungen unterscheiden werden. Eine genaue Indikationsstellung für operative oder konservative Behandlungsmaßnahmen wird somit möglich.

 

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Zur umfassenden Diagnostik einer behinderten Nasenatmung gehören auch Riechprüfungen und Allergietests, wozu heute moderne Untersuchungstechniken zur Verfügung stehen.






Ursachen der behinderten Nasenatmung und deren Behandlung

Die häufigste beobachtete anatomische Formveränderung in der Nasenhöhle ist die Verkrümmung der Nasenscheidewand – Septumdeviation genannt. Das Septum besteht aus flachen knorpeligen Elementen im vorderen Abschnitt und aus knöchernen im hinteren Abschnitt der Nase. Bedeckt ist die Scheidewand von der Nasenschleimhaut. Verkrümmungen, Knick- oder Spornbildungen können in allen Abschnitten vorkommen, der Einfluss auf die Durchströmung der Nase ist dabei unterschiedlich.

HNOIm links stehenden Bild sind die häufigsten Formveränderungen der Nasenscheidewand dargestellt, die zur behinderten Nasenatmung führen. Verkrümmungen kommen in allen Abschnitten der Nasenhöhle vor, Sporn- und Leistenbildungen besonders im Bereich des unteren Nasenganges.

 

 

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Die Bilder zeigen eine Nasen-Endoskopie der rechten Nasenseite. Links eine aufsteigende Leiste der Nasenscheidewand. Im Bild rechts die stark verkrümmte Septumwand mit starken Gefäßzeichnungen in der Schleimhaut. Links im Bild jeweils die untere Nasenmuschel.

Die gezielte operative Korrektur der Fehlstellung an der Nasenscheidewand – Septumplastik genannt - ist eine effektive Behandlung. Unter Schonung der Schleimhaut der Nase werden die verengenden Elemente unter Erhalt der Nasentrennwand korrigiert.

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Dargestellt ist das Prinzip einer minimal-invasiven, endoskopisch kontrollierten Operation der Nasenscheidewand dargestellt.

Der verkrümmte Abschnitt des Knorpels der Nasenscheidewand wird nach Schleimhautschnitt entnommen, begradigt und in die Schleimhauttasche wieder eingesetzt.

 

Die unteren und mittleren Nasenmuscheln behindern oft erheblich die Nasenatmung. Bei den mittleren Nasenmuscheln sind die Ursachen meist knöcherne Formvarianten, während bei den unteren die entzündlich bedingten Verdickungen der Schleimhaut im Vordergrund stehen. Insbesondere die nasale Allergie verursacht hier starke Reaktionen mit charakteristischen Schleimhautveränderungen.

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Oben aufgeführte Bilder zeigen eine Nasenmuschelvergrößerung der unteren Nasenmuschel bei einer Pollenallergie. Links die typische Situation bei einer akuten allergischen Reaktion. Die Schleimhaut der Nasenmuschel ist erheblich gerötet, geschwollen und viel wässriges Sekret wird abgesondert – „Fließschnupfen“. Rechts zeigt sich die Schleimhaut der Nasenmuschel unter der antiallergischen Behandlung deutlich abgeschwollen, der Atemweg ist wieder frei. Nur die starke Gefäßzeichnung deutet auf bestehende Erkrankung hin.

Entzündlich oder allergisch bedingte Schwellungen lassen sich auch effektiv mit modernen Nasensprays und Nasenspülbehandlungen mit Salzwasser behandeln.

Schleimhautschwellungen in der Nase können neben den Allergien, die saisonal als Pollenallergie („Heuschnupfen“) oder ganzjährig (z.B. „Hausstauballergie“) vorkommen. Daneben führen die berufsbezogenen Allergien und die Nahrungsmittelallergien auch zur typischen Reaktion in der Nase. Oft werden allergieähnliche Symptome beobachtet, ein entsprechender Test bleibt aber negativ. Diesen nicht-allergischen Rhinitis- oder Schnupfenformen liegen unterschiedliche Ursachen zugrunde. So sind Stoffwechselstörungen oder Störungen der Innervation der Nasenschleimhaut oft auslösend für die „eosinophile Rhinitis“ oder die „vasomotorische Rhinitis“. Auch können hormonelle Einflüsse bei der Schwangerschaft, der Einnahme von Hormonpräparaten oder bei hormonellen Umstellungen zur typischen „verstopften Nase“ führen. Es ist nicht selten, dass die Einnahme bestimmter Medikamente oder das Einatmen reizender Gase und Dämpfe, ob am Arbeitsplatz, im häuslichen Milieu oder in der Umwelt zu Störungen der Regulation der Nasenschleimhaut und damit meist zur Behinderung der Nasenatmung führt. Der Kliniker spricht bei diesen allergischen und nicht-allergischen Reaktionen der Schleimhaut der Nase von Nasaler Hyperreaktivität, was mit einer Überempfindlichkeitsreaktion gleichzusetzen ist.

Neben medikamentösen Behandlungen in Form von speziellen Nasensprays und antientzündlich wirkender Substanzen kommen in erster Linie physikalische Begleitbehandlungen zur Anwendung. Chirurgische Maßnahmen, wie schonende Korrekturen an den Nasenmuscheln isoliert oder in Verbindung mit einer Nasenseptumplastik können das Problem der Nasenatmungsbehinderung dauerhaft beseitigen und unterstützen zuweilen dieses Konzept.

Chronisch entzündliche Schleimhauterkrankungen der Nasennebenhöhlen prägen oft als charakteristischen Befund die typischen glasigen Schleimhautverdickungen aus, die als Nasenpolypen bezeichnet werden. Diese entstehen meist im Siebbein, einem speziellen Abschnitt der Nasennebenhöhlen. Von dort prolabieren die Polypen in die Nasenhöhle und verlegen den Atemweg. Mehrere unterschiedliche Ursachen sind bekannt, obgleich der genaue Entstehungsmechanismus nicht endgültig geklärt ist.

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Die Bilder stellen die Nasen-Endoskopie bei chronischer Sinusitis dar. Nasenpolypen behindern die Nasenatmung durch das Prolabieren aus dem Siebbein in die Nasenhöhle. Häufig bestehen begleitende Entzündungen der Schleimhaut mit starker Sekretabsonderung. Die Behinderung der Nasenatmung wird oft durch bestehende Nasenseptumdeviationen zusätzlich verstärkt.

Nasenpolypen entstehen praktisch nie in der Nase, sondern im Siebbein – einer gekammerten Nasennebenhöhle zwischen Auge und Nase, etwa in der Größe einer Streichholzschachtel. Von hier fallen die Polypen in die Nase vor und verlegen die Zugänge zu den Nasennebenhöhlen und zur Riechregion.

Neben infektiösen, allergischen und toxischen Schleimhautschwellungen werden auch Unverträglichkeiten gegen Azetylsalizylsäure (Aspirin) Defekte der Immunabwehr oder besondere Infektionen, wie Tuberkulose als Auslöser in Betracht gezogen. Neuerdings werden von Bakterien (Staphylokokken) oder Pilzen produzierte Antigene als Mitverursacher diskutiert. In Deutschland wird die Diagnose etwa 900.000 Mal pro Jahr gestellt und geschätzt wird, dass etwa 3 – 5 % der Bevölkerung an Nasenpolypen leiden.

Heute stehen zur Behandlung grundsätzlich zwei Verfahren zur Verfügung. Ein endoskopisch kontrolliertes mikrochirurgisches Operationsverfahren ermöglicht unter weitgehender Schleimhaut- und Strukturerhaltung in der Nase und den Nasennebenhöhlen die Wiederherstellung der Belüftung und zusätzlich der Sekretabflußwege. Damit wird die Voraussetzung zu einer medikamnetösen, antientzündlichen Behandlung der Schleimhäute in der Nase und den Nasennebenhöhlen geschaffen. Diese folgt nach den operativen Eingriffen und ist mit entscheidend für den Erfolg der chirurgischen Therapie. Außerdem schützt sie vor dem drohenden Wiederauftreten der Nasenpolypen.

Mittel der Wahl sind Glukokortikoide, die als kortisonhaltige Nasensprays regelmäßig in die Nase eingesprüht, die entzündlichen Schleimhautreaktionen dämpfen. Unterstützend wirken regelmäßige Salzwasserspülungen der Nase, die nicht nur in der Behandlung nach Operationen, sondern auch bei Vorliegen eines allergischen Schnupfens oder bei Erkältungskrankheiten von großem Nutzen sind.

Nasentropfen mit kurzzeitiger abschwellender Wirkung werden bei behinderter Nasenatmung oft angewendet. Diese sind in den Apotheken rezeptfrei erhältlich und werden für die gewöhnliche Schnupfenbehandlung empfohlen. Sie helfen die akuten Symptome der behinderten Nasenatmung zu lindern. Eine unkritische Anwendung dieser Mittel über einen längeren Zeitraum, d.h. über mehr als 10 Tage, führt zu Veränderungen der Schleimhaut. Der gewünschte Abschwelleffekt geht verloren und bleibende Störungen in der Feinstruktur und Regulation der empfindlichen Nasenschleimhaut treten ein. Die Folge kann sein, dass bleibende Schwellungsphänomene der Schleimhaut fortbestehen und ein „chronisches Schnupfengefühl“ sich entwickelt. Gleiches gilt auch für die Einnahme von Antibiotika. Diese Mittel bekämpfen durch Bakterien verursachte Entzündungen und die damit ausgelösten Symptome. Die Wirksamkeit ist aber nur bei Vorliegen einer eitrigen Erkrankung gegeben. Unkontrollierte Anwendungen dieser Mittel um allgemeine Beschwerden in der Nase zurückzudrängen sind nicht ratsam und teilweise gefährlich. Resistenzen und Besiedelungen von Krankheitserregern können wiederum dadurch ausgelöst werden.

Heute sind moderne Nasensprays, sogenannte topische Steroide, verfügbar, die eine hohe Wirksamkeit in der Schleimhaut und extrem geringe Aufnahme durch die Schleimhaut haben. Das bedeutet konkret, dass durch Kortison bedingte Nebenwirkungen für den Organismus nicht befürchtet werden müssen. Auch eine längerdauernde Anwendung in der Nase ist heute wegen genauer kalkulierter Dosierungen unbedenklich.

Die aufgezeigten möglichen Ursachen einer behinderten Nasenatmung und die verfügbaren ausgefeilten Behandlungsmöglichkeiten lassen es in jedem Fall ratsam erscheinen bei den Zeichen einer länger bestehenden Nasenatmungsbehinderung und anderer klinischer Beschwerden mit Bezug zur Nase einen Arzt zu konsultieren und die genauen Ursachen abklären zu lassen. Schließlich kann das Leitsymptom „verstopfte Nase“ auf den Beginn oder das Bestehen einer Allergie oder eines Asthmas sein. Möglicherweise verbirgt sich dahinter auch ein gut zu korrigierendes anatomisches Problem. In den meisten Fällen kann der Arzt anhand der erhobenen Befunde die geeignete medizinische Behandlung für ein freies Atmen durch die Nase empfehlen. Werden wichtige Behandlungsschritte versäumt besteht die Gefahr dass drohende Gesundheitsprobleme im Atmungs- und Herz-Kreislauf-System sich entwickeln. Andererseits erlaubt eine freie Nasenatmung eine höhere Belastbarkeit im Beruf und einen größeren Aktivitätsradius in der Freizeit. Letztlich ist eine gute Nasenatmung auch die Grundlage für einen gesunden, erholsamen Schlaf. Kurzum bedeutet eine freie Nasenatmung auch Verbesserung der Lebensqualität.

Anmerkung:

Die Information wurde als Patienten-Informationsschrift zusammengestellt in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Hans Behrbohm. Herausgegeben vom Privat-Institut für medizinische Weiterbildung auf dem Gebiet der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde e.V. (www.imwe-berlin.de)

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