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Dem Menschen dienen

Es beginnt alles im Kopf

Dr. med. Jana Barinoff (48) ist seit 1. Oktober neue Chefärztin am Sankt Gertrauden-Krankenhaus für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Gemeinsam mit Marie Ysabel Vornhecke (51), Ärztliche Leitung des Brustzentrum-City, ergibt das eine wunderbare Kombination: von beiden Medizinerinnen werden die Patientinnen und Patienten ganzheitlich behandelt.

Frau Dr. Barinoff, Sie sind als Chefärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe ans Sankt Gertrauden Krankenhaus gewechselt. Frau Vornhecke, Sie sind neue Ärztliche Leiterin des Brustzentrum-City. Was macht diese Kombination so besonders?

Barinoff: Wir sind die erste weibliche Doppelspitze in ganz Berlin. Gemeinsam mit dem gesamten Team sind wir mit viel Herzblut für Frauen in jeder Lebenslage da: heranwachsende Mädchen, Frauen, die ein Kind erwarten und ältere Frauen. Meine persönlichen Schwerpunkte sind neben Gynäkologie und Senologie, das ist die Lehre von der weiblichen Brust, die Gynäkologische Onkologie und Endometriose, aber auch Naturheilkunde und Sexualmedizin.

Vornhecke: Ich denke, dass unsere Kombination der medizinischen Bereiche im Sankt Gertrauden-Krankenhaus von besonderem Vorteil für Patientinnen ist. Das Haus deckt alle wichtigen medizinischen Bereiche ab und macht einen persönlichen, familiären Rahmen möglich. Die palliative Begleitung durch Pflege, Hospizdienst und Seelsorge ist mir hier sehr positiv aufgefallen. Glücklicherweise ist Brustkrebs aber in den allermeisten Fällen behandelbar. Sollte die Brustdrüse entfernt werden müssen, bieten wir einen plastischen Wiederaufbau der Brust an.

Was sind Ihre gemeinsamen Pläne für die Zukunft?

Barinoff: Mein Ziel war es immer, erstklassige Medizin auf hohem Niveau anzubieten. Das Sankt Gertrauden-Krankenhaus steht für eine herzliche und kompetente pflegerische, therapeutische und medizinische Behandlung und ich denke, Frau Vornhecke, unser Team und ich können hier viel bewegen. Geprägt hat mich die Erfahrung, dass Erkrankungen von Frauen auch tiefe seelische Narben hinterlassen. Aus diesem Grund bilde ich mich zur ärztlichen Psychotherapeutin weiter, um meine Patientinnen ganzheitlich behandeln zu können.

Welchen medizinischen Bereich finden Sie persönlich am spannendsten?

Vornhecke: Mein Bereich ist die Behandlung von Brustkrebs. Jede 9. Frau in Deutschland erkrankt leider im Laufe ihres Lebens daran. Umwelteinflüsse und der Lebensstil spielen hier sicherlich eine Rolle. Umso wichtiger ist es, gesund zu leben, Sport zu treiben und regelmäßig zu Früherkennungsuntersuchungen zu gehen. Heute ist die Diagnostik schon viel ausgereifter und wir können sehr viele Frauen erfolgreich behandeln. Ich möchte noch hinzufügen: Auch Männer können an Brustkrebs erkranken, wenngleich es viel weniger als Frauen sind. Ich möchte Männer ermutigen, sich behandeln zu lassen. Wir wissen, dass eine Krebserkrankung psychisch belastend ist und wir sind für unsere Patientinnen und Patienten da.

Barinoff: Ich finde es persönlich ganz erstaunlich, welchen Bogen die Psyche bis hin zu den Organen spannt. Körperliche Schmerzen sind oft Ausdruck eines seelischen Unwohlseins. Schmerzen an der Vulva können z.B. eine psychische Ursache haben. Es beginnt alles im Kopf! Dieser Zusammenhang wird in der Medizin bislang zu wenig beachtet. Glücklicherweise ist aber zumindest die Gender-Medizin nun in der Realität angekommen. Und ich freue mich, über diese wichtigen Themen sprechen zu können.

Wie hat sich die Behandlung von Frauen im Bereich Gynäkologie und Geburtshilfe im Lauf der Jahre verändert?

Barinoff: Vor 17 Jahren am Anfang meiner Karriere konnte ich mir vieles, was heute in der Medizin angewendet wird, noch nicht vorstellen. Es gibt neue Medikamente, Therapien und Algorithmen. Es gilt nicht mehr eine Behandlungsform für alle, wir behandeln unsere Patientinnen individuell.

Vornhecke: Wie gesagt erkennen wir heute Brustkrebs viel eher also noch vor 20 Jahren. Das Tempo des Fortschritts in der Medizin ist rasanter und wir bilden uns ständig weiter, um am Puls der Zeit zu bleiben. Wir wissen heute auch, dass es bei Frauen mit einer hohen Brustdichte immer noch schwieriger ist, Krebszellen zu erkennen. Ab 50 Jahren wird eine Mammografie alle zwei Jahre empfohlen. Frauen mit gehäuften Krebsfällen in der Familie bieten wir eine genetische Testung an. Für alle gilt: Mit einer regelmäßigen Früherkennung können Sie sich sicherer fühlen.

Warum sind Sie Ärztin geworden? Und wenn Sie junge Kolleginnen und Kollegen ausbilden, was raten Sie Ihnen?

Vornhecke: Ich wollte immer mit Menschen arbeiten und finde die Medizin sehr vielseitig. Ich sehe mich als Handwerkerin, die bei einer Krebserkrankung helfen kann. Jungen Kolleginnen und Kollegen rate ich: Ihr Beruf sollte Ihnen Spaß machen. Wenn Sie nicht voll dahinter stehen, machen Sie lieber etwas anderes.

Barinoff: Menschen haben mich immer schon fasziniert, es gibt nichts Spannenderes als der menschliche Körper und seine Seele. Die Ausbildung junger Kolleginnen und Kollegen liegt mir besonders am Herzen und ich engagiere mich für sie. Sie sind es auch, die mich behandeln werden, wenn ich alt bin. Was ich allen jungen Menschen rate: Viel fragen!

Bewegung ist bekanntlich die beste Vorbeugung gegen viele Erkrankungen. Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Barinoff: Ich stimme Ihnen zu - Bewegung muss sein. Mein Rezept ist Walking und Yoga. Familie muss auch sein. Ich koche gerne und gut für meinen Lebensgefährten, seine 11jährige Tochter und meinen erwachsenen Sohn.

Vornhecke: Ich liebe alles, was mit Wasser und Natur zu tun hat: Schwimmen, am Wasser spazieren gehen, Segeln, ich sammle Pilze und gärtnere gerne. Eine gute Work-Life-Balance ist sehr wichtig, um gesund zu bleiben.

Danke für das Gespräch.

Sankt Gertrauden-Krankenhaus

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