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Dem Menschen dienen

Manche Patienten schreiben heute noch Postkarten

Dr. Christian Hausdorf (46) ist seit 20. August neuer Chefarzt am Sankt Gertrauden-Krankenhaus und speziell im Bereich interventionelle Kardiologie, Linksherzkatheter-Messplatz und IMC/CPU tätig. Er arbeitet gemeinsam mit Chefarzt Dr. Wolfgang Haist (58) in diesem Bereich. Es ist eine Kombination, die Potenzial hat. Patientinnen und Patienten werden so sofort und aus einer Hand optimal medizinisch versorgt.

Herr Dr. Hausdorf, Sie sind vor kurzem als Chefarzt für Innere Medizin – Kardiologie ans Sankt Gertrauden Krankenhaus gewechselt. Warum haben Sie sich für diese Klinik entschieden?

Hausdorf: Aus meinem Werdegang heraus ist das ein logischer Schritt. Ich bin seit langen Jahren Oberarzt in der Kardiologie. Diese Stelle hier vereint das Medizinische, aber auch das Organisatorische. Es ist also das, was ich die letzten Jahre gemacht habe und ermöglicht eine Weiterentwicklung im Team. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Dr. Wolfgang Haist.

Sie beide bilden ein Team. Jeder von Ihnen hat unterschiedliche medizinische Schwerpunkte. Warum ist eine solche Kooperation fruchtbar und was sind Ihre gemeinsamen Pläne?

Hausdorf: Eine solche Kombination hat viel Potential. Wir können die komplette kardiologische Diagnostik anbieten und gemeinsam für die Zukunft planen. Das bedeutet, wir können Patienten sofort und aus einer Hand optimal medizinisch versorgen.

Haist: Diese Versorgung aus einer Hand im Haus anbieten zu können, ist tatsächlich wunderbar. Wir hatten früher schon eine Kooperation mit einem Herzkatheter-Labor, allerdings extern. In dieser Kombination nützen wir jetzt alle Ressourcen optimal und bauen keine Doppelstrukturen auf. Mein Fachbereich wird künftig weiterhin Schrittmacher, Defibrillatoren und Ultraschall am Herzen anbieten. Das ist eine optimale Ergänzung zum Herzkatheter-Labor.

Was wird sich durch diese Kooperation konkret verändern?

Haist: Ein Herzinfarkt ist nicht planbar. Menschen kommen mit Brustschmerzen zu uns ins Haus und unsere Aufgabe ist es, abzuklären, ist das lebensgefährlich oder hat das andere, harmlosere Ursachen. Als Team können wir das rasch und effizient herausfinden und helfen. Ich bin seit 2005 im Sankt Gertrauden-Krankenhaus, das ist jetzt ein neuer gemeinsamer Abschnitt und ich gebe gerne mein Know-How der letzten Jahre weiter.

Wenn jemand mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Sankt Gertrauden Krankenhaus kommt, wie gehen Sie vor?

Hausdorf: Wird jemand vom Notarzt mit Verdacht auf Herzinfarkt gebracht, kann das EKG direkt aus dem Notarztwagen übermittelt werden. Liegt ein Herzinfarkt vor, wird der Patient sofort im Herzkatheterlabor behandelt und das verschlossene Gefäß direkt wiedereröffnet. Bei Verdacht auf Herzinfarkt ohne Vorliegen der klassischen EKG Veränderungen erfolgt die direkte Aufnahme auf die Chest Pain Unit und die weitere Diagnostik und Therapie, ebenfalls, wenn notwendig mit direkter Koronarangiographie.  

Herr Dr. Hausdorf, Sie haben 2011 die Chest Pain Unit im Vivantes Klinikum Neukölln aufgebaut. Was sind Ihre prägendsten Erfahrungen?

Hausdorf: Eine Abteilung aufzubauen, sich das Konzept zu überlegen, das dann auch funktioniert. Prägend sind aber auch Patienten, wie eine Lehrerin aus Berlin, der ich 2012 einen Stent gesetzt habe. Manche Patienten schreiben mir heute noch Postkarten, über die ich mich sehr freue.

Der Herzinfarkt ist immer noch die häufigste Todesursache in Deutschland. Warum?

Hausdof: Oft wird ein Herzinfarkt vom Betroffenen nicht erkannt. Denn es müssen nicht unbedingt die klassischen Symptome wie Brustschmerz und kalter Schweiß auftreten Wir wissen auch, dass Frauen einen Herzinfarkt oft anders wahrnehmen. Ich rate jedem und jeder zur Abklärung in der Klinik innerhalb der ersten Stunde. Jede Minute zählt!

Wie hat sich die Behandlung von Menschen mit Herzinfarkt im Lauf der Jahre verändert? Und was sind die Hoffnungen für die Zukunft?

Haist: Früher wurden alle Katheter über die Leiste gelegt. So wie jetzt gearbeitet wird, war es noch vor wenigen Jahren undenkbar. Das ändert sich sehr rasch und lässt Großes für die Zukunft erwarten.

Hausdorf: Die koronaren Techniken haben sich immer weiter verfeinert. Wir haben heute ganz andere Möglichkeiten bei Herzerkrankungen, die Stents sind dünn wie ein Schmettterlings-Flügel. Und auch die Medikamente werden ständig weiterentwickelt. Die Forschung wird in den nächsten Jahren sicherlich weitere Neuerungen bringen.

Wenn Sie junge Kolleginnen und Kollegen ausbilden, was raten Sie Ihnen?

Haist: Ganz konkret würde ich raten: Kommen Sie zu uns. Wir bilden fortgeschrittene Internisten zu Intensivmedizinern aus. Das ist ein spannendes Berufsfeld. Als ich nach dem Abitur durch Lateinamerika gereist bin, war klar: Ich will Menschen helfen. Dass ich die Kardiologie einschlagen werde, wusste ich aber noch nicht.

Hausdorf: Das wichtigste ist es, Freude am Beruf zu haben. Das bedeutet Leidenschaft, offen sein für Neues und vielleicht auch eine gewisse Leidensfähigkeit am Anfang der Karriere. Ich selbst bin beim Zivildienst auf die Faszination Medizin gestoßen und wollte mehr wissen und helfen.

Kann man einem Herzinfarkt vorbeugen?

Haist: Eine gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Nichtraucher zu sein, helfen. Risikofaktoren wie Diabetes Mellitus, Arterielle Hypertonie oder Fettstoffwechselstörungen sollten gut eingestellt werden, um die Entstehung einer koronaren Herzerkrankung zu verhindern oder ihre Ausprägung zu vermindern.

Stichwort Bewegung: Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Haist: Joggen und ins Fitnessstudio gehen. Meine Frau ist auch Kardiologin. Wir haben einen komplizierten Plan, damit wir alle Nachtdienst und die Kinder (9 und 14) unter einen Hut bringen. Einmal im Jahr fahre ich mit Freunden in die Berge, um zu klettern.

Hausdorf: Meine Tochter (8) hat fast dasselbe Alter wie Dr. Haists Sohn. Als Familie sind wir gerne mit dem Fahrrad unterwegs. Auch unser Labrador- Golden Retriever-Mischling hält uns auf Trab. In meiner Freizeit spiele ich auch gerne Tennis.

Vielen Dank für das Gespräch.

Sankt Gertrauden-Krankenhaus

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